Investitionen in das “Licht der Zukunft”

Osram hat ein neues Werk in Regensburg eingeweit indem OLED in Serienproduktion gehen, Man erhofft sich damit einen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz, immerhin wird ein milliardenschwerer Markt in den nächsten Jahren in diesem Bereich erwartet.

Die Siemens-Tochter hat in Regensburg eine neue Fertigungsanlage für organische Leuchtdioden eingeweiht und hofft auf ein Milliardengeschäft.

Noch heißt das Zauberwort bei den weltweit aktiven Lichtkonzernen LED. Das Geschäft mit den Leuchtdioden boomt, die klassische Glühlampe wird zum Auslaufmodell – ab morgen dürfen auch keine 60-Watt-Birnen mehr verkauft werden. Doch auch der attraktive LED-Markt ist inzwischen hart umkämpft, die Preise fallen rapide.

Die Hersteller arbeiten daher bereis an der nächsten radikalen Umwälzung: Die Siemens-Tochter Osram eröffnete gestern in Regensburg die weltweit erste Pilot-Serienproduktionslinie für organische Leuchtdioden (OLED). Noch steckt das Geschäft in den Kinderschuhen – doch es könnte schon in einigen Jahren ein Milliardenmarkt sein.

“Wir erleben einen dramatischen Wandel, wie ihn der Lichtmarkt vielleicht in den letzten 100 Jahren nicht erlebt hat”, sagte Osram-Chef Wolfgang Dehen. Für die Siemens-Tochter ist es besonders wichtig, bei diesem technologischen Wandel ganz vorn mit dabei zu sein. Schließlich will das Traditionsunternehmen möglichst noch in diesem Herbst an die Börse – und da wird ja vor allem die Zukunft gehandelt.

Bei den OLEDs sieht sich Osram in der Branche in einer Führungsposition. Bei der neuen Technik werden organische Halbleiter in hauchdünnen Schichten auf Glas aufgedampft. Fließt Strom, leuchtet das Material. Während bei der LED von einem kleinen leuchtenden Chip Licht punktförmig abgestrahlt wird, erzeugen die OLEDs eine leuchtende Fläche. So können zum Beispiel Fenster gefertigt werden, die tagsüber durchsichtig sind, und abends leuchten. Selbst leuchtende Vorhänge seien denkbar, da die OLEDs auch biegsam hergestellt werden können, sagte Martin Goetzeler, der das operative Geschäft führt.

Noch müssen die OLEDs technisch weiterentwickelt werden. So halten sie derzeit bis zu 10000 Stunden – LEDs aber mehr als doppelt so lange. Auch die Helligkeit lässt noch zu wünschen übrig. Die aktuellen Modelle kommen auf etwa 40 Lumen pro Watt. Unter Laborbedingungen habe man aber schon mehr als das Doppelte erzielt, sagte Goetzeler.

Noch kosten Prototypen von OLED-Designlampen vierstellige Euro-Beträge. Unter den Herstellern wie Osram, Philips oder der japanischen Lumiotec hat daher das Wettrennen begonnen, wer die Fertigung am schnellsten und am stärksten industrialisieren kann. Dehen geht davon aus, auf längere Sicht die Herstellungskosten um 90 Prozent drücken zu können. “Regensburg wird die Welthauptstadt der OLED-Fertigung”, schwärmte gar Oberbürgermeister Hans Schaidinger.

Experten erwarten ein Milliardengeschäft

Der Markt dürfte in den nächsten Jahren wegen der vielen neuen Anwendungen und des Zwangs zur stärkeren Energieeffizienz wachsen. Experten erwarten, dass der gesamte Lichtmarkt in den nächsten zehn Jahren von 69 auf 110 Milliarden Euro zulegen wird. Knapp zwei Drittel davon könnten dann auf den LED-Lichtmarkt entfallen. Wie schnell sich die OLEDs durchsetzen werden, ist schwer abschätzbar, aber die Marktdurchdringung dürfte schneller gehen als bei den LEDs. Konservative Schätzungen sähen den OLED-Markt bei zwei bis drei Milliarden Euro im Jahr 2020, sagte Dehen.

Im LED-Markt sind derzeit vor allem die koreanischen Unternehmen aggressiv unterwegs – auch deshalb liefert sich Osram derzeit einen heftigen Patentstreit mit Samsung und LG. Die Konkurrenten werden teils massiv öffentlich unterstützt. Damit Deutschland bei den OLEDs vorne mit dabei ist, hat die Bundesregierung 2006 die Initiative OLED 2015 aufgesetzt. An Osram flossen 18 Millionen Euro, auch BASF, Merck und Philips gehören der “Innovationsallianz” an. “Es geht um das Licht der Zukunft”, sagte Forschungsministerin Annette Schavan bei der Einweihung der neuen Produktionslinie pathetisch.

Ob die positiven Nachrichten von der Innovationsfront Osram beim Sprung an die Börse helfen? Entscheidend wird am Ende das Klima an den Kapitalmärkten sein – und das ist derzeit denkbar ungünstig. Viele Branchenbeobachter halten daher eine Verschiebung zum Beispiel ins kommende Frühjahr für gut möglich. Dehen blieb gestern aber auf Linie. “Die Vorbereitungen für den Börsengang laufen planmäßig”, sagte er wacker.

Quelle des Originalartikels: mittelstandsmanager.de

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