Wie das Licht der Zukunft aussieht

In Displays sind organische Leuchtdioden bereits erfolgreich. Jetzt soll die Technologie mit schicken, transparenten Lichtflächen den Beleuchtungsmarkt erobern. Doch es gilt noch einige technische Tücken zu meistern.

Schöner strahlen: Aus organischen Leuchtdioden lassen sich hauchdünne, transparente Lichtflächen schaffenIn Displays sind organische Leuchtdioden bereits erfolgreich. Jetzt soll die Technologie mit schicken, transparenten Lichtflächen den Beleuchtungsmarkt erobern. Doch es gilt noch einige technische Tücken zu meistern. von Nora Schlüter, Dresden

Im Testraum der Dresdener Firma Novaled fehlt von futuristischer Hightechkulisse jede Spur. Die Beleuchtung ist schummrig, der Boden ausgelegt mit schlierigen Linoleumkacheln. In den Regalen reihen sich Kästen, die an uralte Mikrowellen erinnern. In ihrem Inneren strahlt die Zukunft der Lichtindustrie: organische Leuchtdioden, kurz Oleds. Hier werden sie auf ihre Widerstandsfähigkeit geprüft. Werden Temperaturen von mehr als 80 Grad ausgesetzt, hohen Spannungen, gelegentlich sogar einem Bad in flüssigem Stickstoff. Trotzdem leuchten manche Dioden seit über drei Jahren ununterbrochen. Und verbrauchen dabei kaum Strom.

Die Technologie ist dabei, einen gigantischen Markt zu erobern. Mit ihr lassen sich hauchdünne leuchtende Flächen ebenso schaffen wie kontrastreiche Displays. Seit der Gründung im Jahr 2001 tüftelt Novaled an passenden Materialien, um die Dioden besonders effizient zu machen. Die Dresdener verkaufen nicht fertige Dioden, sondern Chemikalien, Lizenzen und Know-how. Über das Stadium der Laborkuriosität sind die Oleds längst hinaus. “Wir gehen davon aus, dass der Umsatz für 2010 bei rund 11 Mio. Euro liegt”, sagt Novaled-Chef Gildas Sorin. In den nächsten drei Jahren soll er auf einen dreistelligen Millionenbetrag ansteigen. Für 2011 ist die Gewinnschwelle anvisiert.

Aus organischen Leuchtdioden lassen sich hauchdünne, transparente Lichtflächen schaffen

Die besten Novaled-Kunden sind momentan die großen asiatischen Displayhersteller. Vor allem Samsung und LG setzen organische Leuchtdioden bereits in Bildschirmen für Handys, MP3-Spieler oder tragbare Spielekonsolen ein. Die Nachfrage ist so groß, dass der Nachschub knapp wird. 1 Mrd. Dollar werden in diesem Jahr nach Schätzungen des Marktforschers IDTechex mit Oled-Bildschirmen umgesetzt. Offen sprechen darf Sorin über Novaleds Geschäftsbeziehungen nicht, nur so viel: “Die Anzahl der Spieler in diesem Markt ist momentan begrenzt. Da ist es nicht allzu schwierig, sich vorzustellen, wo unsere Partner sitzen.”

Der Vorteil der Oled-Bildschirme liegt nicht nur in den satten Farben. Während bei LCD-Displays die Hintergrundbeleuchtung ständig an ist, verbrauchen die organischen Dioden nur dann Strom, wenn sie wirklich leuchten. “Wenn man ,Star Wars‘ guckt und ein paar Sternenpixel auf schwarzem Hintergrund hat, braucht man eigentlich nur ein Prozent der Energie, um die paar Sterne leuchten zu lassen”, sagt Jan Blochwitz-Nimoth. Er ist einer der Gründer von Novaled und arbeitet heute als Technikchef. Gemeinsam mit Sorin bereitet er sich auf die nächste Revolution vor: Oleds als Beleuchtung.

Weiter auf: Financial Times Deutschland


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